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Buchbinder-Lexicon
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Nachgerben erfolgt meist mit Sumach, besonders bei ostindischen Lederfellen, um die indische Kassia- oder Myrobalanengerbung zu verbessern.
Nadeln Durchheften mehrerer Papierblätter, einige Millimeter vom Falz entfernt, mit Zwirn. Das N. wird zum Zusammenheften mehrerer Papierblätter angewandt, kann aber durch die Klebebindung ersetzt werden. Das N. ähnelt der Block-Draht-Heftung seitlich durch den Falz. Die genadelten Blätter legen sich schlecht um. Bei Franzbänden wird die erste und letzte Lage mit Überwendlingsstichen gearbeitet, eine englische und französische Technik. Seitliches Nadeln mit einer Nähmaschine wird "Steppen" genannt. In den USA werden zolldicke Broschüren mit Zwirn gesteppt (>Oversewing).
Nagelprobe Feststellen der >"Laufrichtung" von Papieren durch kneifendes Durchziehen von Papierrändern zwischen Daumen und Zeigefinger. Die Laufrichtung bleibt dabei glatt, während sich die Querrichtung wellt.
Nagra Abkürzung für "Normenausschuss für das grafische Gewerbe"
Nappaleder Nach der kalifornischen Stadt Napa genanntes kräftiges Glaceleder. Mit Pflanzengerbstoffen gegerbtes Handschuhleder aus Rinder-, Pferde-, Schaf- und Ziegenfellen.
Narben Die natürlichen Unregelmäßigkeiten auf Lederoberflächen, der "Epidermis". Naturnarben sind unregelmäßig-lang gestreckt, z.B. bei Nigerleder. Gleichmäßig aussehender N. ist entweder bei geringwertigen Ledern mit Platten oder beheizten Walzen aufgepresst oder bei echtem Saffian durch das Eintreten kleiner Samenkörner der wilden Melde in nasses Leder erzeugt worden. Kapziegenleder haben einen natürlichen, gleichmäßig groben N., der durch Walken mit einem "Levantier-" oder Krispelholz betont hervorgehoben wird. Kalbsleder ist völlig glatt, Schweinsleder ebenfalls, es lässt such an den zu dritt stehenden Borstenlöchern erkennen. Lederähnliche Narben bei Papier, Karton und Gewebe sind Prägungen.
Narbenspalt Die von der Narbenseite eines Lederfells im Ganzen abgeschälte Fleischseite. Die Narbenspalte sind fester und haltbarer als die Fleischspalte. Titelleder, Portefeuilleleder für Taschenkalender und ähnliche Massenware.
Nasspartie Der Teil der Papiermaschine, auf dem die Blattbildung erfolgt. Die N. besteht aus dem "Stoffauflauf", dem "Sieb", der "Brustwalze" und der "Gautsch- und Nasspresse". Auf der feuchten Papierbahn läuft eine Siebwalze, "Egoutteur" genannt, auf der sich in Drahtform das Zeichen befindet, das sich als "Wasserzeichen" im Papier abbildet.
Nassvergoldung Älteste Vergoldetechnik namentlich im Morgenland angewandt, bei der die zu vergoldenden, meist vertieft angelegten Dessins mit Eiweiß oder Lack ausgepinselt wurden, wodurch das an diesen Stellen aufgelegte Blattgold anklebte. N. ist eine glanzlose Flächenvergoldung.
Nassklebestreifen Klebeband oder -streifen mit Anfeuchtgummierung.
Natriumbisulfit Schwefligsaures Natrium in der Buchbinderei dient es zum Aufhellen von in "Kaliumpermanganat" gebadeten und dabei durch die Bildung von "Braunstein" gebräunten Papieren. Bei de Bäder, nacheinander angewandt, hellen alte Papiere auf uns beseitigen Stockflecke. In der Papierindustrie dient N. zum Bleichen von Holzschliff, in der Lederindustrie dient N. zum Entkälken der Blößen.
Natronzellstoff Wird aus Holz durch Kochen mit Ätznatron gewonnen und ergibt einen sehr zähen Faserrohstoff z.B. für Natronpapier.
Naturell In der natürlichen Farbe gehalten, bei Leder hellbraun.
Naturkarton Einlagiges, dickes Papier im Gegensatz zum mehrfach gegautschten oder geklebten Karton.
Naturkunstdruckpapier Mit Füllstoffen beschwertes, stark satiniertes Papier.
Naturleinen ungefärbter, naturfarbenes Leinengewebe.
Naturnarben Die nicht bearbeitete, natürliche Lederoberfläche, z.B. von Nigerleder.
Naturpapier Maschinenglatte Papiere, die ohne weitere Veredelung von der Papiermaschine in die Weiterverarbeitung gehen.
Naturschnitt Der unbehandelte, weiße Buchschnitt nach dem Beschneiden.
Nauhaus, WIlhelm (* 1899, + 1979). Kunstmaler. Von 1928 - 1945 Professor für Buchbinderei als Nachfolger von Charlotte Huhn, die Marie-Lühr-Schülerin war, an der "Staatlichen Hochschule für bildende Künste" in Berlin. Von 1945 - 1965 Fachlehrer für Buchbinder auf Burg Giebichenstein bei Halle a.d. Saale. N. verwendete mit Vorliebe Dekor aus der Geschichte der Antike.
Nebenbahn Beim Teilen einer Papierrolle in Längsbahnen anfallende Papierbahn.
Negativ Das Entgegengesetzte. Schriften oder Zeichnungen, die weiß auf farbigem Grund stehen, werde so genannt.
Nessel Rohgewebe aus Baumwolle für Bucheinbandstoffe. >Landkartennessel.
Netzätzung Name für Autotypieplatten.
Netzvergoldung Handvergoldung auf Buchrücken mit geeigneten Dessinfileten, deren Muster rapportiert und mehrfach so untereinander gedruckt wird, dass ein netzartiges Filigranmuster entsteht.
Neuerscheinung Buch, das zum ersten Mal auf dem Büchermarkt erscheint. Nicht mit Neuauflage zu verwechseln, die eine weitere Auflage eines bereits erschienenen Werkes ist.
Niederhalten Die beim Heften eines Buchblock entstehende Rückensteigung durch die übereinander liegenden Heftfäden muss niedergehalten werden. Das geschieht bei Massenarbeiten in "Falzniederdruckpressen" um eine gleichmäßige Rückendicke zu erhalten, die der Rückenbreite von Einbanddecken zu entsprechen hat.
Niederhalter Vorrichtung aus gebogenem Draht oder Blech, das in Ordern oder Heftern benutzt wird, um die losen, eingelegten Blätter "niederzuhalten".
Nieten Metallstifte die mit einer Nietzange oder -maschine zusammengepresst werden und so Blätter z.B. Musterkataloge zusammenhalten. Auch aus Kunststoff, die ohne Werkzeuge geschlossen werden können >Rastnieten
Nigerleder Von Afrikanern gegerbtes, schönes, haltbarer, naturelles Ziegenleder mit natürlichem Narben. Blinddruckfähig, mit kleinen Narbenschäden. Auch rot eingefärbt erhältlich.
Nitrocellulosekleber Auflösungen von Kollodiumwolle in organischen Lösungsmitteln wie Essigsäure, Aceton, Amylacetat u.a. N. sind feuergefährliche Klebstoffe. Ein nicht brennbarer Nitrocellulosehaltiger, wasserfester Klebstoff ist unter der geschützten Wortmarke "Cohesan" im Handel.
Nitz, Hermann (* 1881, + 1965). N. arbeitete als Kunstbuchbinder bei Hübel & Denck in Leipzig, später in Berlin als Großbuchbinder. Er schrieb "Die Materialien des Buchbinder" im Knapp-Verlag. "Die Organisation des Großbetriebs" im Buchbinderverlag. "Aus einem reichen Buchbinderleben" im Selbstverlag. N. war MDE-Mitglied und entwickelte den "Kombinations-Handeinband", einen Einband, der unter Maschinenhilfe wer Maschinenheftung und Pressvergoldung entsteht. N. wurde deshalb angefeindet und trat aus dem MDE aus. Er war Adam- und Kersten-Schüler.
Non-coupé (frz.). Unaufgeschnittenenes Buch bzw. unaufgeschnittene Broschüre.
Nonpareille (frz.). Schriftgrad von 6 Punkt Kegelstärke.
Non rogné (frz.). Unbeschnittenes Buch.
Norm Kurztitel auf jeder Lagenseite unter dem Text mit Angabe der Bogennummer zu finden. Auf der dritten Seite eines gefalzten Bogens wird die Bogennummer mit einem Stern angedruckt, um Verwechslungen beim Falzen vorzubeugen. Die N. dient auch zum Nachprüfen der richtigen Bogenfolge, ist aber heute im Großbetrieb weniger wichtig. geworden, da die Bogenfolge anhand von "Flattermarken schneller nachgeprüft werden kann und Verwechslungen oder Doppelgreifen beim maschinellen Zusammentragen selten vorkommen. Die N. wird auch "Bogensignatur" genannt.
Normalformate Zwölf anerkannte, heute durch DIN-Formate ersetzte Papiergrößen waren:
1. Kanzlei 33 x 42 cm (Reichsformat)
2. Propatria 34 x 43 cm (Schulformat)
3 Großpropatria 36 x 45 cm
4. Stab (Einhorn) 38 x 48 cm
5. Kleinregister 40 x 50 cm
6. Großregister 42 x 53 cm
7. Kleinmedian 44 x 56 cm
8. Großmedian 46 x 59 cm
9. Kleinroyal 48 x 64 cm (Regal)
10. Großroyal 50 x 65 cm (Großregal)
11. Superroyal 54 x 65 cm (Imperial)
12. Großimperial 57 x 78 cm. >Papierformate
Normalpapiere Müssen bestimmten amtlichen Richtlinien in Bezug auf Reißlänge, Doppelfalzungen, Stoffzusammensetzung usw. entsprechen. Die 1880 herausgegebenen Richtlinien sehen vier Stoffklassen, sechs Festigkeitsklassen und acht - mit den Unterklassen fünfzehn - Verwendungsklassen vor.

Stoffklassen:
1. Papiere nur aus Hadern gefertigt
2. Papiere aus Hadern und höchstens 25% Zellstoff
3. Papiere beliebiger Zusammensetzung, allerdings ohne Holzschliff
4. Papiere beliebiger Stoffzusammensetzung ohne Holzschliff.
Die N. der Verwendungsklassen 1-4 müssen sich mit einem Wasserzeichen ausweisen, das neben dem Wort Normal, die Nummer der Verwendungsklasse enthält und gleichzeitig die Firma des Herstellers.

Festigkeitsklassen:
Klasse Reißlänge Dehnung Doppelfalzungen
1 6000 4% 190
2 5000 3,5% 80
3 4000 3% 80
4 3000 2,5% 40
5 2000 2% 20
6 1000 1,5% 3

Verwendungsklassen:
Klasse 1: Papier für dauernd aufzubewahrende Urkunden: Stoffklasse 1, Festigkeitsklasse 1
Klasse 2a und 2b: Papier für Urkunden, Standesamtregister, Geschäftsbücher und dergl.: Stoffklasse 1, Festigkeitsklasse 2-3.
Klasse 3a und 3b: Aktenpapier für länger als 10 Jahre aufzubewahrende Schriftstücke: Stoffklasse 2, Festigkeitsklasse 3-4.
Klasse 4a und 4b: Aktenpapier für Schriftstücke geringerer Bedeutung: Stoffklasse 3, Festigkeitsklasse 3-4.
Klasse 5a und 5b: Briefumschläge, Packpapier: Stoffklasse beliebig, Festigkeitsklasse 5-6.
Klasse 6: Schreibpapier für untergeordnete Zwecke des täglichen Gebrauchs: Stoffklasse beliebig, Festigkeitsklasse 5 oder 6.
Klasse 7a und 7b: Aktendeckel: Stoffklasse 1 bzw. 3, Festigkeitsklasse 4-5.
Klasse 8a, b und c: Druckpapier für länger als 10 Jahre aufzubewahrende Drucksachen: Stoffklasse 8a - 1, 8b - 3, 8c beliebig. Festigkeitsklasse 8a und b - 4, 8c - 5 oder 6.

Notched Binding (engl.). Von Alfred Cahen in Cleveland/USA entwickelte Klebebindung. Die Lagenrücken haben versetzt angeordnete Einkerbungen in die sich der Leim nach dem Zusammentragen setzen kann.
Notenbücher Sie müssen sich im Falz gut umlegen lassen. Die Heftung erfolgt deshalb auf Band. Mitunter wird die Unterkante der Einbanddeckel größer gehalten, damit die Blätter beim Umwenden nicht hängen bleiben.
Notgar Angegerbtes, nicht durch gegerbtes Leder.
Nummerieren Das fortlaufen Eindrucken von Ziffern auf "Paginieren" genannt. In Geschäftsbüchern, Vordrucken usw. Große Auflagen werden in der Druckmaschine mit Nummerierapparaten vorgenommen, die von hinten nach vorn nummerieren, damit nach dem Druck die kleinere Zahl oben liegt. Bei Büchern müssen erst die Zahlen einer, dann die der anderen Buchhälfte Buchhälfte nummeriert werden (1, 3, 5 danach 2, 4, 6). Beim N. folgen die Ziffern hintereinander 1, 2, 3, 4 usw. beim "Folieren" in Geschäftsbücher paarweise 1-1, 2-2, 3-3 usw.
Nuten Ausheben eines Materialspanes an Biegestellen von Pappen und Karton, vornehmlich bei zu überziehenden Kartonagen angewandt. N. erfolgt mit Nutwerkzeugen, die in Kreispappenscheren eingebaut werden können. Nuten ist eine Materialschwächung.
Nutzen Die Anzahl der aus einer Materialbahn oder einem Bogen heraus zu schneidenden Einzelteile. Das Einzelteil wird fälschlicherweise als N. bezeichnet.
Nylon-Heftzwirn In Deutschland Perlonzwirn genannt, ist ein synthetisch hergestellter, sehr reißfester dünner Maschinenheftzwirn. Er wird gern bei umfangreicheren Büchern angewandt, wenn ein zu hoher Maschinenheftfalz im Rücken zu befürchten ist. Zuerst 1947 in den USA angewandt, hat N. den Nachteil, dass abgeschnittene Fadenenden aus der letzten Fadenverknüpfung schlüpfen können. N. wird an Stelle von Zellwollzwirn eingesetzt.
Nylon-Schnellverbinder einfaches Hilfsmittel um schnell lose Blätter zu binden.
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