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Buchbinder-Lexicon
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Lack Produkt aus Natur- oder Kunstharzen in organischen Lösungsmitteln. Dir früher üblichen Papierlacke z.B. Schellack, vergilben schneller als die heutigen Nitrozelluloselacke; Kunstharzlacke haben kurze Trockenzeiten; auch Spirituslacke, Lösungen von Naturharzen wie Kopal, Damar, Schellack usw. in Spiritus, trockenen schnell, sind aber nicht wetterfest. Das handwerkliche Lackieren ist durch das Überziehen mit hochglänzenden PVC-Folien verdrängt worden. Das Lackieren von Schutzumschlägen, Prospekten u.a. nehmen Spezialbetriebe mit den billigeren Zellulosefolien vor, die über beheizte Kalander verfügen, die einen nicht unübertrefflichen Hochglanz erzeugen. Mit Druckmaschinen aufgetragene Lackierungen sind mehr ein Oberflächenschutz.
Lackmuspapier Mit dem Pflanzenfarbstoff Lackmus getränktes Reagenzpapier; färbt sich mit Säuren rot, mit Alkali blau. Anhand eines Indikatorpapiers kann der betreffende Säure- bzw. Alkaligehalt festgestellt werden.
Laeisz, Ferdinand (* 1.1.1801, + 7.2.1887). Gelernter Buchbinder, der zum Versenden der von ihm angefertigten Zylinderhüte eine Flotte aufbaute, Reeder und Mitbegründer der HAPAG wurde.
Lage Gefalzte, mit Streifen oder durch schmales Übereinanderkleben (>Gegeneinanderhängen) heftfertig gemachte Lage; lässt sich auch durch Ineinanderstecken gefalzter Papierbogen bilden.
Laminat Unterschiedliche Träger werden unlösbar zusammengeführt, "laminiert", wobei die Addition der jeweiligen Eigenschaften einen optima geeigneten Gesamtträger abgibt. Das kann z.B. ein Verbund aus Aluminiumfolie mit Polyesterfilm sein. Dieser Verbund ergibt die Kombination von höchster Dichtigkeit (Aluminium) mit hoher Reiß- und Einreißfestigkeit (Polyester).
Laminieren Bekleben von Papieren mit durchsichtigen Folien.
Laminierfolien spezielle zum Heißlaminieren geeignete Folien, auch als Laminiertaschen (z.B. Dreieckstaschen)
Landkartennessel Technisches Gewebe, rohweiß.
Langsiebmaschine Papiermaschine mit flachliegendem Entwässerungssieb; der Papierbrei fließt auf das endlos laufende Sieb und wird durch Schüttel- und  Rüttelbewegungen entwässert; auf Filzbahnen liegend erfolgt dann in einem mit Dampf erhitzten Zylindersystem die endgültige Trocknung des Papiers. Erfinder der ersten Langsiebpapiermaschine war Louis Robert im Jahre 1799.
Langstichheftung Sie kam im 14.Jh. auf und war eine Art Aktenstichheftung, weil verbindende Bünde wegfielen. An deren Stelle wurde auf Streifen von Leder, Pergament, Holz oder Horn geheftet; die Heftfäden wurden an abgeteilten Einstichlöchern mit gebogener Nadel durch den Rücken geheftet und mit dem vorangegangenen Stich verketten (>Copert).
Längstitel sollen von unten nach oben laufen; lediglich liegend aufzubewahrende Mappenwerke, Noten u.a. großformatige Bücher können umgekehrt laufende L. erhalten; in Amerika und England laufen L. von oben nach unten.
Lasting Unappretiertes, ungerautes Baumwollgewebe für Geschäftsbuchdecken, dem >"Moleskin" ähnlich, aber schwächer als dieser.
Latex Kautschukmilch aus dem Havea-Bäumen. Bei Alterung verliert L. die Klebkraft. Die mit ihm geklebten Bücher fallen in Blättern auseinander. L. wurde bereits 1785 in England für die Loseblätterbindung von Geschäftsbüchern verwendet.
Laufrichtung Jedes von der Maschine kommende Papier hat eine Laufrichtung. Man versteht darunter die Lager der überwiegenden Mehrzahl der Fasern in einem Bogen. Die Bezeichnung "Schmalbahn" bedeutet, dass die Fasern parallel der breiten Seite, "Breitbahn", dass sie parallel der schmalen Seite laufen. Noch um die Jahrhundertwende wussten die wenigsten Buchbinder, was unter der L. zu verstehen ist. Zu lange haben sie mit handgeschöpftem Büttenpapier gearbeitet, das ja bekanntlich keine L. hat. Erst Prof. Joh. Rudel erklärte in einem Fachaufsatz, was unter L. zu verstehen ist.
Lauge Ätzkali oder Soda, in Wasser aufgelöst, diente früher als Lederbeize, schädigt aber die Lederfaser..
Leder Gegerbte Tierhaut. Die Gerbstoffe wie Eichenlohe, Myrobalanen, Dividivi, Quebracho, Sumach u.a. lösen die in den Häuten noch enthaltenen Eiweißstoffe, so dass sich die Lederfasern bewegen können. Die Gerbstoffe setzen sich dabei an die Stelle der Eiweißstoffe und rufen das charakteristische Knirschen der L. hervor, wenn sie gerieben werden. Weiße Schweinsleder sind mit Alaun gegerbt, mit Chrom die haltbaren, gummiähnlichen "Chromleder", die in der Buchbinderei aber nicht verwendet werden. Zu Leder können alle Tierhäute gegerbt werden, wobei Schaftleder wegen ihrer lockeren Beschaffenheit am wenigsten haltbar sind. Sie sind als "Voll-Leder" und gespalten im Handel, werden bei "Spaltleder" mit einer farbigen Deckschicht versehen und künstlich genarbt. Verwendung für Kalender und Werbeartikel, für Buchrücken bei wohlfeilen Verlagseinbänden. Kalbsleder ist lohgar, also naturell im Handel, seltener gefärbt. Es wird mit den Jahren brüchig, eignet sich aber gut für Blinddruck- und Lederschnittarbeiten. Schweinsleder, wegen seines Restfettgehaltes sehr haltbar, wird "lohgar", "weiß"" und "londoncolor" gehandelt und für Buchbinder immer ungefärbt im Handel, lässt sich blind drucken und vergolden. Schweinsleder lässt sich an den drei nebeneinander stehenden Borstenlöchern erkennen; bei nachgeahmten Schweinsledern werden die Borstlöcher nur eingedrückt. Von Ziegen kommen die edelsten Sorten. Am schönsten und haltbarsten sind die großfelligeren Kapziegenleder, meist "Maroquin" genannt. Sie werden wegen ihrer Dicke oft "ausgefalzt", im ganzen Fell dünner gemacht, geliefert. Deutsche Maroquins haben einen weicheren Narben und sind ohne Heckenrisse und andere Fehler. Maroquins mit geglätteten Narben heißen "Maroquins ecrasé". Bei ihnen ist der Narben dunkler als der Fond. In kleinen Fellen fallen afrikanische und europäische Ziegenleder an. "Oasenziegenleder" sind meist fehlerfrei, "Karawanenziegenleder" haben Heckenrisse, Quaddeln von Stechfliegen. "Nigerleder" werden von den Schwarzen gegerbt, sind naturell und rot gefärbt im Handel. Alle diese Ziegenleder haben Naturnarben und stehen der Haltbarkeit den Maroquinledern in nichts nach. Sie sind immer sumachgegerbt. "Saffiane" sind deutsche und ausländische Ziegenleder mit Perlnarben. Aus Indien kommen Feller einer Schafziegenart, die Haare statt Wolle trägt, sie sind aber wegen der bei ihnen verwendeten schädlichen Pflanzengerbstoffe weniger haltbar. Man bezeichnet sie als "Bockleder". Der "Rote Verfall", der ein Zerzundern ist, ist bei den ostindischen "Bockledern" besonders häufig anzutreffen. Diese werden deshalb eher bei Verlagseinbänden, als bei Handeinbänden eingesetzt. Rind- und "Juchtenleder", dessen charakteristischer Geruch von einer Tränkung mit Birkenteeröl rührt, wird seltener benutzt. Juchtenleder haben einen aufgepressten Spitzkaronarben, der mit Rollen eingedrückt wird. Andere Leder, wie Schlangen- oder Fischleder, haben in der Buchbinderei keine Bedeutung. Echte Samtleder werden aus Hirschhäuten hergestellt, sind aber Fleischspalte von Schaf- oder Ziegenledern, die durch Schleifen gesamtet werden. Aus gemahlenen Lederabfällen wird für industrielle Zwecke ein Lederersatzmaterial hergestellt: "Salpaleder". >Kunstleder sind appretierte und lackierte Gewebe.
Lederbeizen Hierbei handelt es sich um aggressive, wässrige Lösungen, um naturelle Leder zu färben. Beizlösungen lassen sich aus Soda, Ätzkali, Pottasche, Kastanienblättern, Kaliumpermanganat, den in Essig gelegten Sud von Eisenfeilspänen, aber auch von Farbhölzern wie Perambukspänen Blau- und Gelbholz usw. gewinnen. Die schädlichen, Schwefelsäure enthaltenden L. werden nicht mehr angewendet, auch nicht die umständlichen anzusetzenden Farbhölzer, da die unschädlichen Teerfarbstoffe besser sind. Mit "Bastamol" einem Fixiermittel, werden die aufgetragenen Farben wasserfest.
Ledereinband Er unterscheidet sich vom >"Franzband" durch eine vereinfachte Technik. Die Deckel sind, wie bei Gewebeeinbänden, vom Falz (Rücken" abgerückt, die Heftbünde kleben innen auf den Deckeln.
Lederfalz Dünn ausgeschärfter Lederstreifen in der Rückennarbe; er wird schmal vom >"fliegenden Blatt" über den >"tiefen Falz" innen auf den Buchdeckel geklebt, ist oft mitgeheftet und verstärkt das innere Gelenk bei Ledereinbänden.
Lederfalzbein langes, schmales Falzbein, spezielle für das Falzen von Leder.
Lederfeile Schmale, mit Leder beklebte Holzleiste. Die raue Fleischseite dient zum Polieren von Vergoldestempeln.
Lederintarsie Ledereinlage. Das Austauschen des Einbandleders durch ausgeschnittene andersfarbige Leder. Handarbeit.
Lederkonservierung Lederpflege. Leder trocknet mit der Zeit aus und kann durch Zufuhr von Fett wieder geschmeidig gemacht werden; meist wird dazu ein säurefreies Lanolinpräparat des "Britischen Museums" benutzt. Schweinsleder enthält noch genügend Restfett, um geschmeidig zu bleiben.
Ledermosaik Auch Lederauflage genannt. Sehr dünn ausgeschärftes farbiges Leder wird nach einem Entwurf auf einen Ledereinband geklebt; die Konturen können blind oder mit Gold umrandet werden, aber auch ohne diese Handrucktechnik bleiben.
Ledermuseum Das Deutsche L. wurde am 13.3.1917 in Offenbach am Main gegründet. Es enthält eine Sammlung von alten in- und ausländischen Ledergegenständen, Erzeugnissen der Täschner und des Buchbinderhandwerks sowie verwandter Gewerbe.
Lederpapier ist ein oberflächenlackiertes, mit Musterwalzen geprägtes Überzugpapier; L. wird hauptsächlich in der Kartonagen- und Etuiindustrie benutzt.
Lederpappe Nach der braunen Farbe so genannt, wird aus geschliffenem und gedämpften Kiefernholz hergestellt. L. ist leicht, biegsam und zäh; L. wird in der Kartonagenindustrie verwendet.
Lederplastik Relieftechnik, bei der Schrift- oder Ornamentformen aus dünner Pappe ausgeschnitten, auf Pappe geklebt und mit Leder, Pergament, Gewebe oder Papier überzogen werden. Unter Vorlage weicher Makulatur eingepresst, heben sich die aufgeklebten Formen hervor. In Wien bereits vor über 100 Jahren an Mappen und Koffern angewendet, von Otto Gurbat in Berlin, der diese Technik "profiliert" nannte, weiterentwickelt und durch Heinrich Engel allgemein bekannt gemacht.
Lederschärfgerät kompaktes Gerät "Schärffix", das am Arbeitstisch befestigt wird; mit dem L. kann Leder aller Art geschärft werden, mit glatten Rollen und Ausheberollen z.B. für das Ausschärfen von Fälzen.
Lederschere Schere mit besonders kräftigen Schneiden zum Zuschneiden von Leder.
Lederschnitt Mittelalterlicher Deckelschmuck des 14./15.Jh. und der Renaissance . Die Zeichnung wird mit einem Messer in das Leder geschnitten und mit einem Griffel aufgerissen, um die Schnittlinien zu verbreitern. Diese Technik wurde vor 1900 erneut aufgegriffen, die Ornamentformen mit Wachs oder geleimten Sägespänen unterlegt und plastisch herausgearbeitet. Der Grund wurde dabei niedergepunzt. Hauptvertreter: Hulbe in Hamburg, Rudel in Wuppertal und Schule in Düsseldorf.
Ledervorsatz Lederbekleidung der innen Deckelfläche, "Spiegel" genannt, oft reich vergoldet; im Französischen "Doublure" genannt.
Lehmann, Carl-Ernst (* 1787, + 1848). Buchbinder Goethes, der in Berlin lebte. Sein Stempel-Musterbuch besitzt das "Buchbinder-Museum" in Mainz.
Le Gascon Französischer Buchbinder, zwischen 1620 -1650 tätig; pflegte des Punktstempelstil >(Pointillé-Stil).
Leiche Druckersprache für beim Setzen ausgelassene Wörter oder Sätze.
Leighton, Archibald (* 1784 , + 1841). L. führte 1831 den geprägten Kaliko in England ein, nachdem er bereits 1822 ungeprägte, aber appretierte Baumwollgewebe herstellen ließ. Thomas Hughes in London soll 1851 der ersten Kalikofabrikant gewesen sein. Er färbte die Gewebe selbst, appretierte und prägte sie.
Legende Erklärender Text zu Abbildungen, Landkarten usw.
Leim wird aus tierischen Produkten gewonnen. Nach dem Auswaschen der gekälkten Häute oder Knochen durch langsames Sieden in Wasser als Gallert gewonnen, auf Schnüren getrocknet - Tafelleim - oder gemahlen. Bester L. ist Hautleim, der aus entgerbten Lederabfällen gewonnen wird. Knochenleim ist billiger, aber säurehaltig; Handelsformen: Flocken, Perlen, Schuppen, Tafeln, Gallerte. Glutinleime packen sehr schnell an. >Klebstoffe.
Leimauftragsgerät einfaches Gerät zum Auftragen von Leim auf glatten Oberflächen, mit einem Leimreservoir und einer Auftragsrolle aus Schwammgummi.
Leimen Das Bestreichen von gehefteten Buchblöcken am Rücken mit Warm- oder Kunstharzleimen, um die Lagen miteinander zu verbinden, zu verkleben.
Leimfestigkeit Falscher Ausdruck für "Tintenfestigkeit". Die L. wird mit auf dem zu prüfenden Papier gezogenen Tintenstrichen bewiesen: bei guter Tintenfestigkeit laufen die Striche nicht aus.
leim Gerät zum Erhitzen von >Heißleimen, elektrisch betrieben und meist über ein Thermostat geregelt. In verschiednen Größen im Handel.
Leimtopf Topf aus Kunststoff mit Abstreifring und Deckel für Kleister und Dispersionsklebstoffe.
Leimvergoldung Das Anlegen von Blattmetall auf Gelatinegrund (bei der Herstellung von Bilderrahmen benutzt).
Leinenfälzelstreifen selbst- oder heiß klebende Streifen, meist als Rolle, mit Leinenprägung, auch aus Spezialfaserpapier oder Kunststoff.
Leinenpapier Ein mit Leinenprägung versehenes Papier, z.B. Efalin-Papier
Leinenzwirn >Heftzwirn.
Leinwand Einbandstoff in "Leinenbindung" gewebt, appretiert, gefärbt und evtl. geprägt in 100 cm breiten Rollen im Handel. Die L. wurde früher mit Leinengarnen, heute mit Baumwoll- oder Zellstoffgarnen, gewebt; echte L. ist noch bei Geschäftsbüchergeweben, "Ganzleinen" genannt, zu finden; sog. Rohgewebe können aus einer Mischung von Baumwoll- und Leinengarnen bestehen. Zu den Einbandgeweben zählen Kaliko, Schirting, einseitig appretiertes Mattgewebe und die vielen Sorten von Effektgeweben. Buckram, ein echtes Leinengewebe, wird in England und in Amerika aus Leinenzwirnen gewebt, in Deutschland werden Baumwollzwirne verwendet.
Leinengewebe >Leinwand, offener Bucheinbandstoff wie z.B. Mattleinen, Garantleinen, Hansaleinen, Regentleinen, ungefärbt als Rohhalb-, oder Naturleinen.
Leinenregister bedruckte Register mit Zahlen oder Buchstaben auf Registerleinen.
Leipziger Vorsatz mit bunten Ornamenten verziertes Vorsatzpapier z.B. für Kochbücher.
Leistikow, Ernst Soll die ersten Ölmarmorpapiere hergestellt haben. Nach Adam soll das Öltunkverfahren bereits 1869 als Tucker´sches Verfahren bekannt gewesen sein.
Lektionar Liturgisches Buch, das das >Evangeliar und das "Epistolarium" in sich vereint; das Buch ist nach >"Perikopen" geordnet.
Lektor Verlagsmitarbeiter, der eingereichte Manuskripte prüft, sie bearbeitet und die Autoren berät.
Leopold, Walter (* 13.4.1894, + 2.2.1953). Besitzer einer Großbuchbinderei in Brelau, von 1933 bis 1945 Reichsinnungsmeister.
Leporello Harmonikaähnlich Drucksache zum Auseinanderziehen (Leporelloalben, Leporellofalzung); nach dem Diener Don Juans aus Mozarts gleichnamiger Oper so genannt.
Lesezeichen Am Kopf eines Buchrückens angeklebter Seiden- oder Baumwollfaden, um bestimmte Textstellen durch Einlegen schnell wieder finden zu können.
Lesezeichenband Zeichenlitze >Lesezeichen.
Letter Drucktype, Bleibuchstabe. Die Einzeltypen des Setzers werden in der Buchbinderei zum Titeldrucken benutzt. Da sie billiger sind als die für den Buchbinder gegossenen Messinglettern, werden sie gern benutzt, obwohl Messinglettern tiefere Punzen haben, härter sind und der Kegel mit dem Schriftbild wegen des erleichterten Ansetzens beim Titeldruck übereinstimmt. Seit 1950 gibt es Leichtmetall-Lettern aus einer Zink-Aluminium-Legierung, die sich wegen ihrer größeren Härte, wie die Messinglettern zum Pressen auf raue Materialien eignen, wie es die Einbandgewebe sind; die normale Bleiletter ist 23,56 mm hoch, während zum Prägen bestimmte Messinglettern nur 6,6 mm hoch sind, da sie zum Prägen auf Papier geklebt werden müssen; die Höhe einer L. von ihrem Fuß bis unter das erhabene, höhere Schriftbild, heißt "Schulterhöhe", auf ihr sitzt das seitenverkehrte "Schriftbild", dessen Aussparungen "Punzen" genannt werden. Die Breite einer L. wird "Dickte", der Bleikörper unter dem Schriftbild "Kegel" genannt. Als "Schrifthöhe" wird die Höhe einer L. von ihrem Fuß bis einschließlich dem Schriftbild bezeichnet. Die Einkerbungen am Fuß der Lettern heißen "Signaturen" und sollen Verwechslungen mit anderen Schriftarten vermeiden helfen. Die Schriftsetzer haben für verschiedene Kegelgrößen aus dem Mittelalter stammende Bezeichnungen wie "Cicero", "Tertia" usw. Der Buchbinder verwendet die einfachere und heute gebräuchlichere Punktbezeichnung. Zu einer Schriftfamilie gehören mager, normale, halbfette, fette und kursive Schnitte. Großbuchstaben heißen "Versalien", Kleinbuchstaben "Minuskeln"
Lettern Mit L. bezeichnet man in England das Titeldrucken mit Einzelbuchstabenstempeln aus Messing.
Letteverein 1886 von Lette in Berlin gegründete Frauenfachschule. Erste Leiterin der Buchbindeklasse war Maria Lühr, danach Paul Kersten.
Levantieren Das gleiche wie >"Krispeln". Das Levantierholz ist ein mit Kork bezogener Wiegeblock mit aufgenagelter Lederlasche für die Hand; die mit den Narbenseiten aufeinander gelegten Lederfelle werden im Bruch mit dem Levantierholz gewalkt, um den Ledernarben herausholen zu können.
Lexikon Alphabetisch geordnetes Nachschlagewerk mit Erklärungen und unterrichtenden Notizen;; auch altes Papierformat 50 x 65 cm groß.
Libell Schmähschrift, Klageschrift.
Lichtdruck Eines der edelsten Vervielfältigungsverfahren, das ohne Rasterzerlegung des Druckbildes auskommt (Runzelkorn). Beim L. nimmt eine gehärtete und angefeuchtete Gelatineschicht (Fotoschicht) nur an den wenig oder gar nicht gequollenen Bildstellen Farbe am; die feinsten Tonwerte können deshalb in der Art echter Fotos beim Druck wiedergegeben werden. Anwendung bei Faksimile-Drucken, Farblichtdrucken von Gemälden, aber auch bei genauen Wiedergaben von Einzelheiten in wissenschaftlichen Büchern.
Lichtpause Sie dient zur Vervielfältigung technischer Zeichnungen und wird durch kopieren des Originals auf lichtempfindliches Papier hergestellt. Blaupausen haben eine Zeichnung auf blauem, Sepiapausen, eine weiße Zeichnung auf braunem und Positivpausen eine schwarze oder braune Zeichnung auf hellem Grund. Da L.. gegen Säuren empfindlich sind/sie werden mit  Ammoniak entwickelt), dürfen zum Aufziehen auf Gewebe oder Papier keine säurehaltigen Klebstoffe und Strohpappen verwendet werden, da sonst die Zeichnung ausbleichen kann.
Lichtsatz Kalter Maschinensatz auf Fotofilm oder lichtempfindlichem Papier, der auch das Vergrößern der auf eine hell erleuchtete Glasscheibe befindlichen Buchstaben ermöglicht. Die so gewonnen Vorlagen sind meist für den Offset- oder Tiefdruck bestimmt.
Liebhabereinband Luxuseinband mit Leder- oder Pergamentdecke; enthält in der Regel wertvolles Druckgut.
Liegedruck Prägen mit schweren, gravierten Platten, bei denen das Umlegen des Pressenhebels wegen des Druckwiderstandes nicht mehr gelingt; der Pressende hängt sich dann mit seinem Körpergewicht an den Pressenhebel und zieht ihn in die Waagerechte, bis sein Körper flach über dem Fußboden liegt. Wird nur noch selten angewandt, da motorbetriebene Pressen den L. überflüssig machen.
Ligatur Zusammengegossene Schriftzeichen, die das Schriftbild verbessern sollen; es sind Doppellettern wie AE, OE, UE, si, fi, fl, ft, ck,ch,sch,st; Wortzusammengüsse nennt man "Logotypen"
Lignin Verholzte Fasern, die bei der Papierherstellung entfernt werden müssen, um ein Vergilben des Papiers zu vermeiden.
Linien- und Bogenstempel Für den Dekorationsdruck von Hand, der gerade und gebogene Linien vorsieht, benutzt der Buchbinder Messingstempel verschiedener Längen und Liniendicken; sie werden in ihrer Einheit als "Linien- oder Bogensatz" bezeichnet und umfassen stark und flach gekrümmte Linien, die nach den entwerfenden Meistern wie Kersten, Dörfner, Weiße oder Wiemeier benannt werden.
Liniieren Mit Linien versehenes Schreibpapier. Das Rastrieren genannte L. erfolgte früher mit Messingfedern. Heute erfolgt das L. mit Messingrollen verschiedener Breiten, die auf einer Welle mit Abstandsrollen aufgereiht sind, die über Filzlappen mit Anilinfarben getränkt werden. Moderne Liniermaschinen erlauben ein abgesetztes K. Das L. quer zu den ersten Linien erfordert einen zweiten Arbeitsgang. Großauflagen z.B. von Schulheften werden von Gummiplatten gedruckt.
Lineale Zeichengeräte aus Holz, Metall oder Kunststoff, zumeist mit einer mm-Teilung, mit und ohne Face zum Messen, Ziehen von Linien, Scheiden usw.
Linolschnitt Druckplatte aus Linoleum, von Künstlern für ihre Bilderdrucke und von Buchbindern für das Drucken mit Farbe auf Einbanddecken benutzt. Die Schrift- und Dekorformen werden mit Linolschnittmessern aus den Linoleumplatten geschnitten (>PVC-Plattendruck).
Linotype Die von Otto Mergenthaler 1886 erfundene Zeilensetzmaschine.
Literatur Schrifttum, Wissenschaftskunde; Romane fallen unter den Begriff der "Schönen L.", der ">Belletristik.
Lithografiestein Kalkstein aus den Solnhofener Steinbrüchen. Er eignet sich durch gute Wasseraufnahme und Feinkörnigkeit für die Techniken des "Steindrucks", der Lithografie. Eine seitenverkehrte Zeichnung oder ein Umdruck auf den L. nimmt aufgewalzte Fettfarbe an, der angefeuchtete Stein stößt sie an zeichnungsfreien Stellen ab. Der L. wird wegen seiner Schwere nur noch selten benutzt, allenfalls für die Steingravur, die eine Art Radierung ist. Zink- und Aluminiumplatten können den Stein ersetzen. Der Buchbinder verwendet ausgebrauchte L. gern als Unterlage beim Lederschärfen.
Lizenzausgabe Vom Urheber oder Erstverleger eines Buches erworbene Erlaubnis, ein bestimmtes Werk in bestimmter Anzahl nachzudrucken.
Locheisen Auch "Lochpfeifen" genannt, sind handhohe Stahlstifte mit verschieden großen Bohrungen auf den Schneideseiten. Sie dienen zum Lochen von Materialien. Am saubersten und schnellsten erfolgt das Lochen, auch zu mehreren Löchern nebeneinander, mit elektrisch angetriebenen >Papierbohrmaschinen.
Lochzangen Zangen zum Stanzen von verschieden großen Löchern (Revolver-Lochzangen), teilweise auch gleichzeitig zum Ösen geeignet.
Löschpapier Ungeleimte, rösch gemahlene und auftragend gearbeitete saugfähige Papiere und Kartone. Die Güte eines L. wird nach der Saughöhe eines in Tinte getauchten Probestreifens bestimmt. Löschpapier hat heute an Bedeutung verloren.
Loh- oder Grubengerbung Lohe ist zerkleinerte Gerbrinde in Wasser gelöst. Die L. ergibt ein vorzügliches Leder, das mit der Zeit nachdunkelt; sie wird bei Schweins- und Rinderhäuten angewandt. Grubengerbung wird sie deshalb genannt, weil sie in Gruben erfolgt, die in den Erdboden eingelassen sind.
Londenberg, Prof. Kurt (* 1.7.1914). Lehre in Düsseldorf, 1935 Wiemeierschüler in Leipzig. 18´946 Berufung an die "Staatliche Hochschule für Werkkunst" in Dresden. 1949 Berufung an die "Staatliche Werkakademie" in Kassel, nach Wiemeiers Tod, 1952, Fachlehrer an der "Landeskunstschule" in Hamburg.
Londoncolor Für naturelle Schweinsleder bestimmte Appretur, die aber den Blinddruck erschwert.
Longgrain Länglich verlaufender Ledernarben.
Loubier, Prof. Dr. Hans (* 9.4.1863), + 23.6.1931). Bucheinbandforscher, Bibliothekar und verdienter Schriftsteller der EInbandkunde. Er schrieb: "Der Bucheinband von seine Anfängen bis zum Ende des 18.Jh.", "Buchkunst und Bücherliebhaberei", "Die neue deutsche Buchkunst", "Der Bucheinband".
Löwen Altes Papierformat 40 x 50 cm.
Löwenstein, Oskar (* 19.8.1844, + 13.7.1917). L. war Buchhändler, der am 1.4.1870 von dem Leipziger Buchhändler Minde die "Illustrierte Zeitung für Buchbinder" kaufte. L. hat durch seine Propaganda neben Paul Adam den größten Verdienst an der Gründung des "Bundes deutscher Buchbinder-Innungen" (BDBI). Seine Zeitschrift stellte er 1903 ein ein. Der Zeitschriftentitel lebte als Untertitel im "Archiv für Buchbinderei" weiter. L. gab seiner Zeitschrift Lichtdrucktafeln von Einbänden bei und war um die Hebung des Berufsstandes bemüht.
Ludwig, Erhard (* 1850). Schulbesuch bei Horn & Patzelt in Gera. L. gab ein Vorlagen werk für den Dekorationsdruck heraus. Er war ein bekannter Lederschnittkünstler und der erste JKB-Vorsitzende bis 1914.
Lüderitz, Herbert (* 24.11.1904). Lehre bei seinem Vater in der Großbuchbinderei Lüderitz & Bauer in Berlin. 1926 Meisterprüfung, Disponent im väterlichen Betrieb, später Mitinhaber der Berliner Buchgewerbe GmbH und danach Tätigkeiten in Barcelona, London (bis 1940), Rio den Janeiro (1940), Los Angeles (1949), Cleveland (1959), Chicago 1969) wo eine Goldschnittmaschine für Bibeln konstruiert wurde.
Lüers, Heinrich (* 11.2.1899, + 20.8.1946). Adam- und Weißeschüler. 1929 Leiter der Buchbinderklasse an der "Meisterschule" in Magdeburg. Er schrieb "Das Fachwissen des Buchbinders" das 5 Auflagen erlebte und in Zusammenarbeit mit Erich Siegel und Adolf Henklein "Fachrechnen des Buchbinders".
Luft Zwischenraum bei Kästen mit eingesetztem Hals. Bei Kästen mit Hals muss zwischen Hals und Kastenpappe eine Blindpappe eingeklebt werden, um einen Ausgleich für Einschläge und Spielraum für die Decke zu bekommen.
Lufttische Damit sich schwere Papierstapel beim Schneiden leichter drehen und verschieben lassen, habe große Papierschneidemaschinen L. Durch viele Bohrungen, die mit Stahlkugeln bei Nichtbenutzung verschlossen bleiben, wird bei einer Belastung Luft geblasen, auf der die Papierstapel "schwimmen" können. Vornehmlich in Papierfabriken benutzt.
Lühr, Maria (* 2.4.1874, + 25.7.1969). Lühr lernte bei Collin in Berlin und bei Cobden-Sanderson in England. Sie war die erste deutsche Buchbindermeisterin, Fachlehrerin im "Letteverein" in Berlin, von 1913-1957 in Berlin selbständig und Ehrenmitglied der MDE.
Lumbeck, Emil (*1886, + 1979). Gelernter Kaufmann, der 1936 mit Versuchen begann, von zerschlissenen Büchern die Rücken abzuschneiden und die Blätter mit Lack zu verkleben, um die Reparaturarbeiten vor dem Heften zu ersparen. Erfolg hatte er aber erst, als er einen Kunstharzklebstoff benutzte, der die Blätter zuverlässig zusammenhielt. Dazu trug das von ihm "Auffächern" genannte Umlegen der am Vorderschnitt eingepressten Buchblockrücken bei, das ein Beleimen der Blätterkanten ermöglichte. Das von ihm "Lumbecken" genannte Verfahren, heißt heute "Klebebindung" und wurde von der Bindeindustrie ohne das Blätterauffächern übernommen. Es wurden Maschinen entwickelt, die die zusammengetragenen Buchblöcke übernehmen, klammern, über Fräsmesser führen, entstauben, aufrauen und mit Walzen beleimen. Ehlermann in Verden/Aller verbesserte diese vereinfachte Klebebindung durch schräge gestellte Leimwalzen, auf die die Blockrücken gestaucht werden, um eine bessere Klebefläche zu erreichen. Moessner führte den Namen "Klebebindung" als Sammelbegriff für alle Verfahren ein, die das Heften mit Fäden umgehen, durch eine Notiz im "Allgemeinen Anzeiger für Buchbindereien" (1950/103). Dr. Friedrich schlug "Klebeheften" vor, doch setzte sich "Klebebinden" allgemein durch.(>Klebebindung).
Lunow, Robert (* 2.10.1893). Handvergolder, Werkstattleiter der Handbuchbindeabteilung von Hübel & Denck in Leipzig. Seine Einbände wurden von 1919 bis 1925 in den "Monatsblättern" der Firma abgebildet. Er war Mitglied des JKB und ging 1925 nach New York. Von 1940 - 1948 arbeitete er in der Regierungsdruckerei in Washington. Danach als Buchbinder und Buchrestaurator für Folger.
Luwi-Bindung Klebebindeverfahren nach Ludwig Wilhelm in München. Wegen des Fehlens von Fadenheftmaschinen nach dem 2. Weltkrieg, ließ Direktor Wilhelm Ludwig beim Bogenfalzen den Rückenbruch perforieren oder schlitzen. Die zusammengetragenen Bogen wurden mit Plastleim geleimt, wobei der Leim in die Perforation eindrang und die Blätter zusammenhielt. Auf den Buchrücken geklebte Gaze hielt den Buchblock zusammen. Ein verbessertes Verfahren sah das Steppen der Lagen mit großen Nähmaschinenstichen in die Lagenrücken vor. Die Haltbarkeit wurde durch mitgesteppte Schirtingfälze, die auf die Vorsätze geklebt wurden, erhöht (>Klebebindung).
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